☰
KI-Medizin im Evangelischen Krankenhaus
Die Künstliche Intelligenz (KI) ist eine Technologie, die immer mehr im Bereich der modernen Medizin Einzug hält. Ein Trend, der in vielerlei Hinsicht willkommen ist, aber auch einigen Menschen Angst bereitet, nur mehr von Maschinen betreut zu werden. Wie beurteilen unsere Mediziner die Zukunft mit KI-unterstützter Diagnose und Behandlung?
Prim. Univ.-Doz. Dr. Thomas MÜLLNER, PhD
Abteilungsvorstand, Abteilungsleiter
Orthopädische Abteilungen
Orthopädie und Sportchirurgie
„Wer heute ein künstliches Hüft- oder Kniegelenk bekommt, erlebt nicht nur medizinischen Fortschritt, sondern auch digitale Revolution. Die moderne Orthopädie setzt zunehmend auf künstliche Intelligenz (KI), um Operationen präziser, sicherer und individueller zu gestalten. Doch was bedeutet das konkret für Patientinnen und Patienten. Das Ziel ist ein möglichst natürliches Bewegungsmuster nach der OP. Je besser das Gelenk sitzt, desto schneller und schmerzfreier ist die Rehabilitation.
Auch außerhalb des OPs zeigt KI ihre Stärken. Moderne Programme können Arztbriefe automatisch aus Diktaten erstellen, OP-Berichte zusammenfassen und sogar Frühwarnzeichen für Komplikationen erkennen – etwa durch die Analyse von Vitaldaten oder Bewegungsmustern.
Schon heute arbeiten Forscherinnen und Forscher an KI-gestützten Apps, die Patientinnen und Patienten nach der OP begleiten – mit Übungen, Erinnerungen und direktem Feedback. Auch die Früherkennung von Gelenkverschleiß oder Entzündungen wird durch KI immer besser.
Doch letztendlich ersetzt künstliche Intelligenz keine Ärztinnen und Ärzte – aber sie unterstützt sie dabei, die bestmögliche Versorgung zu bieten. Für Patienten bedeutet das mehr Sicherheit, mehr Komfort und oft auch eine schnellere Rückkehr in den Alltag.“
Prim. Dr. Wolfgang Alexander KALTENBRUNNER
Stellv. Abteilungsvorstand, Abteilungsleiter
Orthopädische Abteilungen
Orthopädie und Traumatologie
„Die Gefahr, dass die KI die Kommunikation in der Arzt-Patienten-Beziehung einschränkt, wenn Patienten sich zu stark auf digitale Assistenten verlassen, besteht sicherlich.
Die Arzt-Patienten-Beziehung lebt von persönlichem Vertrauen, Empathie und individueller Kommunikation! Die KI kann Aufklärungsinhalte liefern, aber die rechtlich und ethisch notwendige persönliche Aufklärung sowie das einfühlsame Gespräch dürfen nicht von der Maschine übernommen werden. Sie ist nur als unterstützendes Werkzeug gedacht!“

Prim. Univ.-Prof. Dr. Bernhard SCHWAIGHOFER
Vorstand der Abteilung für bildgebende Diagnostik
„Unser aktuelles Interesse gilt der Integration von Künstlicher Intelligenz (KI) in die Radiologie. Aufgrund des stetigen Wachstums medizinischer Daten und des sich alle dreieinhalb Jahre verdoppelnden medizinischen Wissens testen wir KI in verschiedenen Bereichen und setzen diese KI-Methoden bereits routinemäßig in der Brustdiagnostik und bei CT-Untersuchungen ein.
Mit den neuesten 3D-Tomosynthese-Geräten in der Mammographie unterstützt KI sowohl die Krebsvorsorge als auch die Früherkennung. Sie erleichtert den Radiologinnen und Radiologen die Befundung von Röntgenbildern, findet sogar manchmal kleinste suspekte Veränderungen im Brustgewebe, die mit dem freien Auge kaum erfassbar sind, ersetzt jedoch nicht die menschliche Entscheidungsfindung. KI fungiert als technologischer Assistent, der entlastet und unterstützend wirkt, wobei die finale Verantwortung stets beim Arzt bleibt. Die Wartezeiten für Patienten reduzieren sich auf ein Minimum und die Bild- und Befundübermittelung erfolgt elektronisch.“

