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EKH-aktuell

Expertentipp

Prim. Dr. Jasmin KECHVAR-PARAST

Prim. Dr. Jasmin KECHVAR-PARAST

Abteilungsvorständin

Abteilung für Neurologie

Details

„Ich habe häufig taube Finger sowie ein unangenehmes Kribbeln und stechende Schmerzen in den Füßen. Was kann die Ursache dafür sein?“

„Bei solchen Gefühlsstörungen tippt man meist zuerst auf ein Karpaltunnelsyndrom oder Bandscheibenprobleme. Doch die Ursache liegt oft anderswo: Meist handelt es sich um ein Polyneuropathiesyndrom, ein Mangel an Vitamin B12 kann nämlich Nervenschmerzen und eine Nervenfunktionsstörung auslösen.

Ältere Menschen mit Sensibilitätsstörungen und Mangelernährung sind besonders gefährdet. Wenn gleichzeitig auffällige Geruchs- und Geschmacksstörungen auftreten, kann es sich ebenso um Vitamin-B12-Mangel handeln. Die Einnahme bestimmter Medikamente wie Protonenpumpenhemmer fördert einen Vitamin-B12-Mangel – auch Magenoperierte oder Patienten mit gestörter Verdauung können einen Mangel bekommen. Frühe Symptome können Müdigkeit, Konzentrationsstörungen oder Depression sein. B12 – vor allem enthalten in Fleisch, Milch und Eiern – ist ein wichtiges Vitamin für die Nerven. Es ist mitverantwortlich für die Neubildung einer Schutzhülle um den Nerv – die sogenannte Myelinscheide. Fehlt das Vitamin, werden diese Isolationsschicht und der Nerv geschädigt, es kommt zu Schmerzen und einem Taubheitsgefühl.

Nicht immer ist ein B12-Mangel Folge einer Mangelernährung: Es gibt Menschen, deren Körper das Vitamin nicht aufnehmen kann, sie müssen ihr Leben lang Vitamin-B12-Spritzen bekommen. Meistens liegt aber ein funktioneller Mangel vor. Mit einer Blutuntersuchung lässt sich dieser leicht feststellen.

Auch das Fehlen anderer Vitamine des B-Komplexes kann Nervenschmerzen verursachen, vor allem bei Diabetikern oder Patienten mit bestimmten chronischen neurologischen Erkrankungen. Hier kann eine gezielte intravenöse Therapie von sogenannten Cosubstraten Erfolg bringen. Frühes Erkennen und eine rasche Behandlung verbessern die Heilungschancen. Je später der Therapiebeginn, desto schlechter sind die Aussichten, dass sich die Nerven wieder erholen.“